Cannabis: Sativa, Indica und Ruderalis

Cannabis-Sorten Sativa, Indica und Ruderalis
Cannabis-Sorten Sativa, Indica und Ruderalis

Hierzulande steckt die Nutzung von Cannabis zu medizinischen Zwecken noch in den Kinderschuhen. Doch das Interesse wächst – auch in der breiten Öffentlichkeit. Allerdings ist das Wissen von Nichtkonsumenten über Unterschiede und Eigenschaften der verschiedenen Cannabisgattungen noch ziemlich lückenhaft. Wir haben die einzelnen Cannabisfamilien einmal näher unter die Lupe genommen. 
Sativa, Indica und Ruderalis.

Artikel veröffentlicht am: 20.02.2019 

Drei Cannabisfamilien – viele Abkömmlinge

Cannabis bietet eine unübersehbare Sortenvielfalt – mehr als 1.000 verschiedene Pflanzen sind derzeit bekannt. Doch eines haben alle gemeinsam: Sie gehören einer der drei Cannabisgattungen – Sativa, Indica und Ruderalis – an. Die für den Konsumenten interessanten Wirkstoffe THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD(Cannabidiol) befinden sich in der klebrigen Blüte des weiblichen Strauches. Die Cannabispflanze enthält insgesamt mehr als 80 Cannabinoide.

Cannabis Sativa – die Stimulierende

Cannabis Sativa
Cannabis Sativa

Cannabis Sativa (gewöhnlicher Hanf) wurde erstmals 1753 vom schwedischen Naturforscher Linné klassifiziert. Die Sativa stammt ursprünglich aus äquatornahen Regionen, wo sie ganzjährig gleichbleibende klimatische Bedingungen vorfindet. Heute wird sie in nahezu allen klimatisch geeigneten Ländern – auch im Mittelmeerraum angebaut.

Die feuchtigkeitsliebende Sativa zeigt einen eher schmalen hohen Wuchs und besitzt zierliche lange schlanke Blätter, die hellgrün gefärbt sind. In ihrer Heimat kann die Sativa durch konstante Lichtbedingungen zu einem wahren Riesen heranwachsen. In der freien Natur erreicht der Strauch eine imposante Höhe von 3 – 4 Metern. Die Gattung Sativa bildet im Vergleich zur Cannabis Indica sehr große Blüten aus.

Wirkung und Anwendungsgebiete

Nun kommen wir zum größten Unterschied zwischen den Cannabisfamilien Sativa und Indica – der Wirkung. Sativa weist einen hohen Gehalt an THC und eine niedrige Konzentration von CBD auf. THC wirkt mental stimulierend, motivierend und stimmungsaufhellend. Das Cannabinol schärft die Sinne, inspiriert, regt Denkprozesse und Kreativität an – kurz: Es erzeugt das typische Gefühl des „High-Seins“.

Doch THC hat nicht nur einen zerebralen Effekt – es wirkt auch schmerzlindernd, reduziert Übelkeit und ist appetitanregend. Daher werden Sativasorten bevorzugt gegen Depressionen, andauernde Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Antriebslosigkeit aber auch begleitend zu einer Chemotherapie eingesetzt. Sativa ist aufgrund der stimulierenden Wirkung eher für den Konsum am Tage geeignet.

  • stimmungsaufhellend
  • mental motivierend
  • inspirierend
  • schärft Sinneswahrnehmung und Aufmerksamkeit
  • lindert Schmerzen
  • bekämpft Übelkeit
  • regt den Appetit an

Cannabis Indica – die Beruhigende

Cannabis Indica
Cannabis Indica

Die Gattung Cannabis Indica erhielt ihren Namen vom Botaniker Lamarck, der die Pflanze Ende des 18. Jahrhunderts im indischen Subkontinent entdeckte. Doch Indica ist auch in den trockenen subtropischen Regionen Zentralasiens, in Pakistan und Afghanistan zu Hause. Die Indica weist einen kompakten buschigen Wuchs auf und wird nur 1 – 2 Meter hoch. Ihre dunkelgrünen Blätter sind deutlich gedrungener als die der Sativa. Im Gegensatz zur Sativa besitzt die Indica kleine, aber kompakte und schwere Blütenstände.

Wirkung und Anwendungsgebiete

Bei Cannabis Indica kehrt sich das Verhältnis von THC zu CBD um. Hier dominiert deutlich der CBD-Gehalt – entsprechend anders ist die Wirkung. Der Schwerpunkt von Cannabidiol ist mehr auf körperliche Effekte ausgerichtet und erzeugt das Gefühl des „Stoned-Seins“. Indica sorgt für muskuläre Entspannung, wirkt beruhigend, angsthemmend und sedierend, aber auch entzündungshemmend und schmerzlindernd. Wie bei Sativa stellt sich ein intensiveres Erleben von visuellen, akustischen und haptischen Eindrücken ein.

Indica eignet sich sehr gut zur Behandlung von Schlafstörungen, Unruhe und Angstzuständen, wird aber auch häufig bei Verspannungen, Schmerzen und chronisch entzündlichen Erkrankungen eingesetzt. Da CBD eher eine beruhigende Wirkung hat, wird eine Anwendung am Abend empfohlen.

Das in Indica vorwiegend enthaltene Cannabidiol bewirkt eine Harmonisierung des Organismus und nimmt positiven Einfluss auf verschiedene Enzymsysteme. Dadurch kann sich seine schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung optimal entfalten.

  • Schlaf fördernd
  • beruhigend
  • entspannt die Muskulatur
  • Angst lösend
  • entzündungshemmend
  • schmerzlindernd

Cannabis Ruderalis – die Robuste

Cannabis Ruderalis wurde 1926 von einem russischen Botaniker in Russland entdeckt und beschrieben. Die Dritte im Bunde ist an ein raueres Klima in nördlichen Breiten und Osteuropa angepasst. Entsprechend klein ist auch der Wuchs der robusten Pflanze. Ruderalis spielt aufgrund ihres geringen THC-Gehalts und wenig Profil in der Cannabisfamilie nur eine untergeordnete Rolle. Interessant ist die Pflanze allerdings für Züchter.

Wussten Sie schon: Im Unterschied zu anderen Gattungen handelt es sich bei der robusten Ruderalis um eine selbstblühende Pflanze. Sie entwickelt unabhängig von bestimmten Lichtzyklen Blüten. Dies eröffnet Möglichkeiten, die Eigenschaften von Sativa und Indica zu verbessern.

Entourageeffekt – gemeinsam sind wir stark!

Selbst der größte Star ist nichts ohne sein Team hinter der Bühne. An diesen Vergleich mögen Cannabisforscher gedacht haben, als sie den Begriff Entourageffekt kreierten – denn der meint Ähnliches. Sie fanden heraus, dass sich die besten Ergebnisse nicht mit einzelnen aus der Pflanze extrahierten Cannabinoiden erzielen lassen. Erst in der Kombination mit Terpenen ist ein optimales Zusammenspiel zwischen Cannabis und unserem Organismus gewährleistet.

Terpene sind aromatische Öle, die Cannabis den typischen Geschmack und Geruch verleihen. Rund 100 verschiedene Terpene sind in Cannabis zu finden. Doch die geruchsintensiven ätherischen Öle übernehmen eine weitere Aufgabe. Terpene docken an dieselben Cannabinoidrezeptoren im Gehirn an wie THC und gehen mit dem Rausch erzeugenden Tetrahydrocannabinol eine Synergie ein. Durch ihr Interagieren mit diesen Neurotransmittern entscheiden Terpene unter anderem darüber, wie viel Cannabinoid die Blut-Hirn-Schranke passiert und nehmen so Einfluss auf die Wirkung des Cannabis. Cannabinoide und Terpene unterstützen sich gegenseitig in ihrer Wirkung und interagieren auf natürliche Weise miteinander. Diesen heilsamen Synergieeffekt bezeichnen Cannabisexperten als Entourageeffekt.

Ein Beitrag zum Unterschied zwischen Indica, Sativa und Ruderalis

Fazit

Zwar werden für medizinische Zwecke vorwiegend Cannabispflanzen mit hohem CBD-Anteil wie Indica verwendet, doch besitzt auch Sativa viel therapeutisches Potenzial. Dem tragen Hybridformen aus beiden Cannabisfamilien Rechnung. So lassen sich positive therapeutische Eigenschaften aus Sativa und Indica in einer Pflanze vereinen. Die Wirkung jeder Hybridsorte variiert je nach dem Verhältnis, in dem THC und CBD zueinander stehen und welcher Inhaltsstoff dominiert. Dadurch lässt sich aus jeder Mischung individueller therapeutischer Nutzen für ganz unterschiedliche Erkrankungen ziehen.

Weitere Informationen zu den Cannabissorten, Quellen

„Indica“ und „Sativa“ – nur ein Fake? (Deutscher Hanfverband)